Mord auf dem Schützenfest in Nordbögge

Entspannte Recherche für einen Mord auf dem Schützenfest: Für seinen Bönenkrimi in der Anthologie „Mord am Hellweg“ hatte Benedikt Gollhardt (Mitte) Unterstützung von Caroline Kirchner und Dirk Presch. © Presch

Bönen – Es ist raus: Der nächste Autor, der den Bönenkrimi für „Mord am Hellweg“ schreiben wird, heißt Benedikt Gollhardt. Und der Autor, der zurzeit mit „Westwall“ in den Bestsellerlisten vertreten ist, war am Wochenende bereits vor Ort und schaute sich verdächtig aufmerksam auf dem Schützenfest in Nordbögge um.

Unauffällig wirkt der Mann mit der Brille am Tisch vor dem Festzelt – unauffällig und harmlos. Jedenfalls auf den ersten Blick. Er hat sich unter das Schützenvolk auf der Festwiese in Nordbögge gemischt, trinkt sein Bier und beobachtet aufmerksam das Treiben um sich herum. Ein Besucher aus Köln, der miterlebt, wie in Westfalen auf dem Land Brauchtum zelebriert wird.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn dieser Mann plant einen Mord. Und der wird, wenn alles gut läuft, auf dem Schützenfest in Nordbögge stattfinden.

Benedikt Gollhardt heißt der Besucher, und er hat einen Auftrag zu töten. Denn Gollhardt ist Krimiautor und auserwählt, für Europas größtes Krimifestival „Mord am Hellweg“ einen Beitrag über Bönen zu schreiben. „Darüber bin ich ganz froh, denn Bönen ist überschaubar“, findet Gollhardt.

„Wir versuchen, jedes Jahr eine Mischung aus bekannten Krimiautoren und Newcomern hinzubekommen“, erläutert Sigrun Krauß, Bereichsleiterin Kultur der Stadt Unna, die zusammen mit dem Westfälischen Literaturbüro das Krimifestival organisiert. Benedikt Gollhardt rückte mit seinem ersten Roman „Westwall“ in den Fokus der Festivalleitung. „Ihn wollten wir unbedingt haben.“

Welcher Autor für welchen Ort schreibt, wird nicht einfach ausgelost. „Wir machen uns Gedanken, welche Kombination vielversprechend ist“, so Krauß. Einige Autoren waren schon mehrfach dabei, da sollte es keine Dopplungen geben.“

Für Gollhardt ist es der erste Mord am Hellweg, denn er ist ein Neuling in der Krimiszene. Einen Namen hatte er sich bisher als Drehbuchautor preisgekrönter Serien wie „Dani Lowinski“ und „Türkisch für Anfänger“ und des Kinofilms „Lattenknaller“ gemacht. Dann nahm er eine Auszeit und schrieb seinen ersten Thriller „Westwall“ und landete gleich auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Die Anthologie „Mord am Hellweg“ geht 2020 in die zehnte Runde. Ein Motto wie in den vergangenen Jahren werde es nicht geben, kündigt Krauß an. Ein schlichtes „X“ gibt den Autoren thematisch alle Freiheiten. Ende März muss die Geschichte fertig sein. Manche Autoren recherchieren erst im November oder Januar, Benedikt Gollhardt ist diesmal der Erste, der auf Recherchetour gegangen ist.

Aus gutem Grund: Schließlich soll seine Kriminalgeschichte auf dem Schützenfest in Nordbögge spielen. Da blieb nur das vergangene Wochenende, um das Fest vor Ort zu erleben. Und die Recherche vor Ort ist unabdingbar. „Es geht darum, die Atmosphäre eines Ortes aufzuspüren“, sagt Sigrun Krauß.

Das hat auch Benedikt Gollhardt ausgiebig getan. Begleitet haben ihn Caroline Kirchner vom Bönener Kulturbüro und Dirk Presch, der als gebürtiger Bönener Geschichte und Geschichten zum Ort beisteuern und als Mitglied des Nordbögger Schützenvereins alle Fragen zum Festablauf beantworten konnte.

Natürlich standen auch die „üblichen Verdächtigen“ auf dem Besuchsprogramm wie Zechenturm, Alte Mühle oder Rathaus. Aber eigentlich zog es ihn raus in den Ortsteil Nordbögge. Auf die Wiese, wo sich am Wochenende grüne Uniformen zum Fest des Jahres versammelten.

Auf dem Festplatz mischte sich Benedikt Gollhardt schließlich unauffällig unter die Nordbögger Schützen und entwickelte erste Ideen für eine mögliche Handlung. Wer wen warum und wie auf dem Festplatz um die Ecke bringt, das bleibt natürlich bis zum Erscheinen der zehnten Krimisammlung im kommenden Jahr ein Geheimnis.

Bleibt die Frage, wo die Lesung des Bönen-Krimis im kommenden Jahr stattfinden wird. „Am besten wäre es natürlich am Originalschauplatz im Festzelt auf dem Schützenplatz“, findet Autor Benedikt Gollhardt. Das könnte jedoch schwierig werden, da das Festival erst im September startet. Aber vielleicht geht da ja noch was.
Der aktuelle Thriller von Benedikt Gollhardt

Manche Spuren führen tiefer in die Vergangenheit, als uns lieb ist. Scheinbar zufällig lernt Polizeischülerin Julia den attraktiven Nick kennen. Doch nach der ersten Nacht entdeckt sie, dass er ihr einen falschen Namen genannt hat und ein Hakenkreuz-Tattoo auf dem Rücken trägt. Mit einem Mal gerät ihr Leben in einen albtraumhaften Strudel. Die Suche nach der Wahrheit führt Julia in die Eifel bis hin zum Westwall, einem alten Verteidigungssystem aus dem Zweiten Weltkrieg.

Mit seinem Debüt „Westwall“ beweist Benedikt Gollhardt auf überzeugende und mitreißende Weise, dass ein Thriller erschreckend aktuell und hoch spannend sein kann.

Benedikt Gollhardt: Westwall, Penguin Verlag, 496 Seiten, 15 Euro, ISBN-13: 978-3328104124.

Autor
Kira Presch – WA
Quelle: wa.de / Lokales Bönen

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