Gar nicht uncool: Mit Trommeln und Flöten den Ton angeben

Ein Teil der jungen Garde im Spielmannszug Bönen-Nordbögge: Marvin Winkler (14, Trommel), Moritz Müller (11, Becken), Ivana Pelz (25, Flöte), Stefanie Brandt (26, Flöte) und Lena Heinemann (19, Flöte). Das Musizieren zusammen macht richtig Spaß, sagen sie.
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önen – Privat hören sie die aktuellen Hits aus den Charts, aber sicher keine Marschmusik. Dennoch schlüpfen die jungen Mitglieder des Spielmannszuges Bönen-Nordbögge regelmäßig in ihre Uniform und marschieren mit Trommeln und Flöten durch die Straßen, um Schützenfeste zu begleiten. Ist das nicht ziemlich uncool? Nein, sagen alle, es macht riesigen Spaß!

In ihr Hobby investieren die derzeit 31 aktiven Mitglieder des Vereins viel Freizeit, denn nicht nur die Ausmärsche an den Wochenenden stehen im Kalender, sondern auch regelmäßige Übungsstunden. „In diesem Jahr haben wir allerdings nur rund 20 Termine angenommen, früher waren das im Schnitt 55 bis 60 Auftritte im Jahr“, sagt Marcus Müller, Vorsitzender des Spielmannszuges, der 2016 aus den Vereinen Bönen und Nordbögge fusionierte. „Schließlich sind wir ja keine Profi-Musikkapelle, und das Hobby soll nicht zur Last werden.“

Dennoch muss geübt werden, denn den Anspruch haben alle Mitglieder, dass das musikalische Niveau hochgehalten werden soll. Das bedeutet, außerhalb der Saison ist jeden Sonntag gemeinsame Probe angesagt. Daneben muss auch einzeln geübt werden, vor allem, wenn neue Stücke geprobt werden.

Nicht nur Märsche, sondern auch Modernes

„Wir versuchen, auch moderne Stücke, die jeder kennt, mit ins Repertoire aufzunehmen“, sagt Müller. Was ausgewählt wird, hänge auch von der Spielstärke ab. „Denn manche Stücke erfordern eine Mindestbesetzung an Instrumenten.“

Derzeit ist das jüngste Mitglied acht Jahre alt, das älteste 70. Der Altersdurchschnitt liegt bei rund 40 Jahren. Eine bunte Mischung. „Wenn wir unsere Uniform anziehen, dann sind wir alle gleich. Hierarchien gibt es bei uns nicht“, sagt Marcus Müller. Einzig Tambourmajor Benedict Webers geht vorweg und gibt als Stabführer den Ton an. Einer muss eben sagen, wo es lang geht, sonst gäbe es Chaos.

Der Spielmannszug im Einsatz auf dem Schützenfest in Nordbögge. Dass man zu der Musik auch prima tanzen kann, beweist die kleine Zoey. Vielleicht macht die musikalische junge Dame in ein paar Jahren ja selber mit bei den Spielleuten.
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Mit Uniform durchs Dorf ziehen mit Marschmusik – ist das nicht eher uncool? „Nein, überhaupt nicht!“ Da sind sich die jungen Mitglieder alle einig. „Die Atmosphäre beim Schützenfest ist immer toll“, sagt Ivana Pelz, die erst vor zwei Jahren dem Verein beitrat. Ihr Mann ist aktiv im Schützenverein Nordbögge. Da ist sie ohnehin immer dabei gewesen auf den Schützenfesten. „Ich fand die Musik schon immer toll und wollte wieder ein Instrument spielen. In der Schule hab ich Klappenflöte gespielt, musste aber aus Zeitgründen aufhören.“

Stefanie Brandt ist ebenfalls erst zwei Jahre dabei. „Ich bin mit dem Schützenfest groß geworden, denn mein Vater und mein Bruder sind im Schützenverein in Nordbögge aktiv. Die Musik gehört einfach dazu wie die grünen Jacken. Was wäre ein Schützenfest ohne die Musik?“ Irgendwann entstand die Idee, bei den Spielleuten mitzumachen. „Aber allein fand ich nicht so richtig den Absprung“, erinnert sie sich.

Start ganz ohne Notenkenntnisse

Schließlich beschlossen sie und Ivana Pelz, gemeinsam einzutreten. Das war auf dem Vereinsschützenfest des Spielmannszugs. Während Ivana Pelz bereits Erfahrung mit einem Instrument hatte, war Stefanie Brandt ein völliger Neuling. „Ich hatte noch nie ein Instrument gespielt und konnte keine Note lesen.“ Das war aber kein Problem. „Wir sind sehr herzlich aufgenommen worden. Es geht sehr familiär zu, und wir haben viel Spaß zusammen.“ Als Musikneuling sei sie von den anderen Mitgliedern an die Hand genommen worden, die ihr alles Nötige nach und nach beigebracht haben.

Direkt beim nächsten Schützenfest sind die beiden Neulinge bereits mitgegangen. Das läuft natürlich nicht ganz fehlerfrei. „Die Geschwindigkeit ist eine andere als beim Üben zu Hause. Und dann noch marschieren im Gleichschritt – das ist eine echte Herausforderung.“ Da passiert es dann auch schon mal, dass die Anfänger noch einen Ton spielen, wenn Tambourmajor Benjamin Webers vorne schon abgewunken hat. „Da meckert eigentlich niemand, man selbst hat den Anspruch, gut zu sein“, sagt Stefanie Brandt, „und ärgert sich selbst am meisten über Fehler.“

„Ob das Leben im Spielmannszug etwas für mich ist, das merkt man schon im ersten Jahr“, sagt Lena Heinemann, die erst seit einem Jahr dabei ist. Ihr macht es jedenfalls Spaß. Dagegen ist Marvin Winkler fast schon ein alter Hase mit über fünf Jahren im Verein.

Selbst Moritz Müller ist schon über zwei Jahre dabei. Hand aufs Herz: Hatte er die Wahl oder musste er mitmachen, weil seine Eltern beide im Spielmannszug aktiv sind? „Als kleines Kind bin ich öfters mitgegangen. Und dann hat es mir Spaß gemacht“, erzählt Moritz Müller. „Ich spiele auch Fußball. Aber wenn sich die Termine überschneiden, dann entscheide ich mich für den Spielmannszug. Ich frag ja auch schon oft Freunde, ob die Lust haben mitzumachen, aber es ist einfacher, wenn die Familie schon mit Schützen oder Spielmannszug zu tun hat.“

Beim Dorfabend in Nordbögge machen die Spielleute jeden Spaß mit – verkleiden inklusive.
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„Wenn man im Spielmannszug mitmacht, sollte man Schützenfeste schon mögen, das ist Grundbedingung“, betont Ivana Pelz. Und man muss Marschmusik mögen? „Wir spielen ja nicht nur Marschmusik, sondern auch andere Stücke“, betont Ivana Pelz. „Wir proben zum Beispiel für unser nächstes Konzert, da wird es auch ganz andere Stücke geben.“

Was gespielt wird, hängt immer von der Besetzung ab. „Je größer die Besetzung, je mehr Möglichkeiten haben wir auch, anspruchsvolle Musikstücke zu spielen“, sagt Benjamin Webers. Über das Repertoire werde innerhalb der Gruppe entschieden, und da fließen auch neue Musikstücke ein.

Am schwierigsten, da sind sich alle einig, ist es, die Koordination hinzukriegen von Musizieren und Marschieren. „Im Gegensatz zu anderen Orchestern sitzen wir ja nur selten bequem auf einem Stuhl und haben die Noten vor uns“, sagt Stefanie Brandt. Unterwegs sind die Musiker in der Regel ohne Noten. Sie müssen alle Stücke auswendig beherrschen und gleichzeitig im Gleichschritt marschieren. „Es muss gut aussehen und gut klingen.“

Das Anspruchsvollste aber sei in der Regel der Große Zapfenstreich, den der Spielmannszug zusammen mit dem Posaunenchor spielt. „Man unterschätzt, wie anstrengend das Stillstehen ist“, verrät Ivana Pelz. „Nach einiger Zeit merkst du, wie dir die Füße wehtun nach einem langen Tag auf den Beinen.“ „Wenn es vorbei ist, dann ist man erleichtert, wenn alles gut geklappt hat“, sagt Marvin Winkler. Denn beim Zapfenstreich sind alle Augen auf sie gerichtet und jeder falsche Ton wird registriert.

„Wir könnten noch mehr junge Mitglieder gebrauchen“, sagt Tambourmajor Benjamin Webers. „Bei uns kann man auch einfach mal reinschnuppern. Wir beißen nicht. Wir wollen nur spielen.“

Die nächste Gelegenheit, die Gruppe in lockerer Atmosphäre kennenzulernen, ist übrigens beim Vereinsschützenfest am Samstag, 31. August, ab 15 Uhr auf dem Hundeplatz in Nordbögge (neben der Gaststätte Dörnemann).

Kontakt: Marcus Müller, Telefon 92 28 40, Mail: muellerboenen@t-online.de

Autor
Kira Presch – WA
Quelle: wa.de / Lokales Bönen

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